Einen Geburtsplan schreiben heißt, dir vor der Geburt bewusst zu machen, was dir wichtig ist, und diese Wünsche klar zu formulieren. Das Papier ersetzt keine Absprache und keine Hebamme. Es hilft dir aber, unter der Geburt gehört zu werden, auch wenn du selbst gerade keine Kraft für lange Erklärungen hast.
In diesem Ratgeber erfährst du, wie du Schritt für Schritt deinen Geburtsplan schreiben kannst, wie eine übersichtliche Vorlage aussieht und wie du deine Wünsche mit Hebamme und Klinik besprichst. Außerdem zeigen wir dir, warum Flexibilität dabei kein Widerspruch ist.
Was ist ein Geburtsplan und warum lohnt er sich?
Kurz erklärt: Ein Geburtsplan ist eine kurze schriftliche Übersicht deiner Wünsche für die Geburt, etwa zu Begleitung, Atmosphäre, Schmerzlinderung und den ersten Stunden mit deinem Baby. Er ist kein Vertrag, sondern eine Gesprächsgrundlage für Hebamme und Klinikteam. Ideal ist eine Seite, die du mit dem Team vorab besprichst.
Viele Frauen merken erst beim Schreiben, welche Fragen sie noch haben. Möchtest du eine PDA? Soll dein Partner die Nabelschnur durchtrennen? Wer einen Geburtsplan schreiben will, setzt sich automatisch mit diesen Fragen auseinander und geht informierter in den Kreißsaal.
Die Vorteile im Überblick
- Klarheit: Du sortierst deine Gedanken und Ängste schon vor der Geburt
- Kommunikation: Bei einem Schichtwechsel weiß auch die neue Hebamme sofort, was dir wichtig ist
- Entlastung: Deine Begleitperson kann sich an deinen Wünschen orientieren und für dich eintreten
- Selbstbestimmung: Du erlebst dich als aktiver Teil der Geburt
Wann du deinen Geburtsplan schreiben solltest
Ein guter Zeitraum ist das dritte Trimester, etwa ab Schwangerschaftswoche 30. Dann hast du Zeit für einen Geburtsvorbereitungskurs, eine Kreißsaalführung und Gespräche mit deiner Hebamme. Viele Kliniken bieten ab etwa Woche 34 ein Anmelde- oder Planungsgespräch an.
Wenn du deinen Geburtsplan schreiben möchtest, beginne mit einem groben Entwurf und überarbeite ihn nach diesen Gesprächen. So fließen neue Informationen ein, und du kennst die Abläufe vor Ort. Der fertige Plan gehört anschließend zu den Unterlagen, die du beim Kliniktasche packen einpackst.

Geburtsplan schreiben: Diese Inhalte gehören hinein
Konzentriere dich auf das, was dir wirklich wichtig ist. Ein überladener Plan wird im Kreißsaal kaum gelesen. Die folgenden Bereiche helfen dir bei der Auswahl.
Rahmen und Atmosphäre
- Wer dich begleiten soll, zum Beispiel Partner, Partnerin, Freundin oder Doula
- Gedimmtes Licht, eigene Musik oder möglichst wenig Personal im Raum
- Ob Hebammenschülerinnen oder Studierende dabei sein dürfen
- Ob du dir eine Wassergeburt oder die Wanne zur Entspannung wünschst
Bewegung und Geburtspositionen
Viele Frauen möchten sich frei bewegen und ihre Position selbst wählen, etwa im Vierfüßlerstand, auf dem Gebärhocker oder im Stehen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt in ihren Leitlinien für eine positive Geburtserfahrung, Gebärenden Bewegungsfreiheit und aufrechte Positionen zu ermöglichen. Notiere, ob du lieber intuitiv mitschieben oder angeleitet pressen möchtest.
Schmerzlinderung
Lege fest, welche Methoden du ausprobieren möchtest und wie offen du für Medikamente bist. Hilfreich ist eine abgestufte Formulierung, etwa: erst Wärme, Massage und Wanne, dann bei Bedarf eine PDA. Einen neutralen Überblick über Wirkung und Nebenwirkungen bietet gesundheitsinformation.de zu PDA und anderen Schmerzmitteln.
- Atemtechniken, Wärme, Massage, Bewegung und Wasser
- Lachgas, falls die Klinik es anbietet
- Schmerzmittel über die Vene
- PDA, die bei etwa jeder fünften vaginalen Geburt gelegt wird
Medizinische Maßnahmen
- Wünsche zur Herztonüberwachung, etwa möglichst mobiles CTG
- Haltung zu Wehenmitteln, Dammschnitt oder dem Öffnen der Fruchtblase
- Die Bitte, vor jedem Eingriff kurz informiert und gefragt zu werden
Nach der Geburt
- Bonding: Haut-an-Haut-Kontakt direkt nach der Geburt, möglichst ungestört in der ersten Stunde
- Abnabeln: Spätes Abnabeln und wer die Nabelschnur durchtrennen darf
- Natürliche oder aktiv begleitete Geburt der Plazenta
- Ob du stillen möchtest und dir Unterstützung beim ersten Anlegen wünschst
- Rooming-in, also dass dein Baby rund um die Uhr bei dir bleibt
Besondere Bedürfnisse
Manche Wünsche betreffen nicht den Ablauf, sondern dich als Person. Hattest du eine schwierige erste Geburt, große Ängste oder belastende Erfahrungen mit Untersuchungen, darf das in den Plan. Wenn du einen Geburtsplan schreiben möchtest, kannst du hier auch eine Sprache, eine Dolmetscherin, Hilfsmittel bei einer Behinderung oder religiöse Wünsche vermerken.
Formuliere solche Punkte so konkret, wie du dich wohlfühlst. Ein Satz wie „Bitte kündigt Untersuchungen vorher an“ reicht oft schon aus, damit das Team sensibel reagiert.
Für das erste Anlegen lohnt sich ein Blick auf unsere Übersicht der Stillpositionen. Die Vitamin-K-Gabe und die erste Untersuchung deines Babys gehören in Deutschland zur Routine. Frag nach, wann sie stattfinden, damit das Bonding möglichst ungestört bleibt.
Plan B: Wünsche für einen Kaiserschnitt
Ein guter Geburtsplan denkt auch an den Fall, dass alles anders kommt. Wenn du einen Geburtsplan schreiben willst, nimm deshalb ein paar Zeilen für einen möglichen Kaiserschnitt auf. Das gibt dir in einer stressigen Situation Halt.
- Deine Begleitperson darf mit in den OP-Saal
- Das Tuch wird für den Moment der Geburt gesenkt, wenn du das möchtest
- Dein Baby kommt direkt auf deine Brust, sofern es ihm gut geht
- Ist das nicht möglich, übernimmt deine Begleitperson den ersten Hautkontakt
Wie ein solcher Eingriff abläuft und was dich danach erwartet, erklärt unser Ratgeber zum Kaiserschnitt.
Vorlage: So kann dein Geburtsplan aussehen
Die folgende Vorlage zeigt eine übersichtliche Struktur. Wenn du deinen Geburtsplan schreiben willst, übernimm nur die Punkte, die für dich zählen, und formuliere sie in deinen eigenen Worten.
| Bereich | Beispiel-Formulierung |
|---|---|
| Über mich | Name, errechneter Termin, erstes Kind, Allergien, Ängste oder frühere Geburtserfahrungen |
| Begleitung | Mein Partner begleitet mich und darf Entscheidungen mit mir besprechen |
| Atmosphäre | Ich wünsche mir gedimmtes Licht und eigene Musik |
| Bewegung | Ich möchte mich frei bewegen und meine Position selbst wählen |
| Schmerzen | Erst Wanne und Wärme, bei Bedarf bin ich offen für eine PDA |
| Eingriffe | Bitte erklärt mir jede Maßnahme kurz, bevor ihr sie durchführt |
| Nach der Geburt | Haut-an-Haut-Kontakt sofort, spätes Abnabeln, Unterstützung beim Stillen |
| Kaiserschnitt | Partner im OP, Baby möglichst direkt auf meine Brust |
Halte den Plan kurz, freundlich und positiv formuliert. Sätze wie „Ich wünsche mir“ oder „Wenn möglich“ laden zum Gespräch ein. Stichpunkte lassen sich schneller erfassen als lange Absätze.
Geburtsplan schreiben in fünf Schritten
- Informieren: Besuche einen Geburtsvorbereitungskurs und eine Kreißsaalführung.
- Sammeln: Notiere alle Wünsche, Fragen und Sorgen, ohne sie zu bewerten.
- Priorisieren: Markiere die drei bis fünf Punkte, die dir am wichtigsten sind.
- Formulieren: Übertrage sie in die Vorlage, kurz und positiv.
- Abstimmen: Besprich den Entwurf mit Hebamme, Ärztin und Begleitperson.
So kannst du deinen Geburtsplan schreiben, ohne dich in Details zu verlieren. Die Priorisierung ist dabei der wichtigste Schritt: Sie zeigt dem Team auf einen Blick, worauf es dir ankommt.

Den Geburtsplan mit Hebamme und Klinik besprechen
Der wichtigste Schritt kommt nach dem Schreiben: das Gespräch. Ein Plan, den niemand kennt, hilft dir im Kreißsaal wenig. So gehst du am besten vor:
- Mit der Hebamme starten: Besprich den Entwurf mit deiner Vor- oder Nachsorgehebamme. Sie kennt typische Abläufe und hilft beim Formulieren.
- In der Vorsorge nachfragen: Nutze einen Termin der Schwangerschaftsvorsorge, um medizinische Fragen mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt zu klären.
- Zur Klinikanmeldung mitnehmen: Zeige den Plan beim Anmelde- oder Planungsgespräch und frag, was dort üblich und möglich ist.
- Anpassen: Überarbeite den Plan nach dem Gespräch.
- Kopien machen: Lege eine Kopie in den Mutterpass und eine in die Kliniktasche.
- Begleitperson einweihen: Geht den Plan gemeinsam durch, damit sie im Ernstfall für dich sprechen kann.
Deine Rechte im Kreißsaal
Ein Geburtsplan ist rechtlich nicht bindend. Unabhängig davon gilt: Vor jeder medizinischen Maßnahme musst du aufgeklärt werden und einwilligen. Das regelt das Bürgerliche Gesetzbuch in Paragraf 630d.
Die Aufklärung muss mündlich und für dich verständlich erfolgen, und zwar so rechtzeitig, dass du in Ruhe entscheiden kannst. Du darfst Fragen stellen, um Bedenkzeit bitten und eine Einwilligung auch wieder zurückziehen. Diese Rechte gelten in jeder Phase der Geburt.
In echten Notfällen muss das Team schnell handeln, und für ausführliche Gespräche bleibt dann oft keine Zeit. Gerade deshalb ist es so wertvoll, wenn deine Wünsche schon vorher bekannt sind.
Geburtsplan schreiben für Klinik, Geburtshaus oder Hausgeburt
Der Geburtsort beeinflusst, welche Wünsche überhaupt infrage kommen. In einer Klinik mit Kinderklinik und Anästhesie rund um die Uhr sind PDA und Notfallversorgung jederzeit möglich. Im Geburtshaus oder bei einer Hausgeburt stehen Ruhe, Kontinuität und eine vertraute Hebamme im Mittelpunkt, eine PDA ist dort nicht möglich.
Wenn du außerklinisch gebären möchtest, solltest du deinen Geburtsplan schreiben und dabei auch den Fall einer Verlegung bedenken. Welche Klinik ist die nächste, und was soll dort beachtet werden? Einen guten Vergleich der Geburtsorte bietet familienplanung.de.
Unabhängig vom Ort gilt: Je besser deine Hebamme dich kennt, desto leichter lassen sich deine Wünsche umsetzen. Bei der Hausgeburt besprecht ihr den Plan meist schon bei den Vorgesprächen in deiner Wohnung.
Flexibel bleiben: Wenn es anders kommt
Keine Geburt lässt sich vollständig planen. Wer einen Geburtsplan schreiben möchte, sollte ihn deshalb als Wunschliste verstehen, nicht als Drehbuch. Manchmal entscheidest du dich unter der Geburt selbst um, etwa für eine PDA, die du vorher ausgeschlossen hast.
Das ist kein Scheitern, sondern ein Zeichen, dass du auf deinen Körper hörst. Auch medizinische Gründe können Änderungen nötig machen. Ein Nachgespräch mit Hebamme oder Klinik hilft dir, die Geburt danach einzuordnen.
Geburtsplan schreiben als Paar
Für deine Begleitperson ist die Geburt ebenfalls eine Ausnahmesituation. Wenn ihr gemeinsam den Geburtsplan schreiben könnt, weiß sie genau, wofür sie im Kreißsaal einstehen soll. Klärt auch, was sie tun soll, wenn du Hilfe brauchst oder lieber Ruhe möchtest.
Viele Paare finden es hilfreich, die Rollen klar zu verteilen: Sie kümmert sich um Getränke, Musik und Absprachen mit dem Team, du konzentrierst dich ganz auf die Wehen.

Typische Fehler beim Geburtsplan
- Zu lang: Mehr als eine Seite liest im Kreißsaal kaum jemand vollständig
- Zu streng: Formulierungen wie „auf keinen Fall“ wirken abweisend
- Zu spät: Ohne Absprache mit der Klinik bleiben Missverständnisse
- Kein Plan B: Wünsche für einen Kaiserschnitt fehlen
Mit einem kurzen, gut besprochenen Plan gehst du gestärkt in die Geburt. Und wenn du merkst, dass es losgeht, hilft dir unser Ratgeber zu den Geburtsanzeichen bei der Einordnung.
Häufige Fragen zum Thema Geburtsplan schreiben
Wann sollte ich einen Geburtsplan schreiben?
Ein guter Zeitpunkt ist das dritte Trimester, etwa ab Schwangerschaftswoche 30. Dann kannst du den Entwurf mit deiner Hebamme besprechen und beim Anmeldegespräch in der Klinik zeigen. Danach passt du ihn bei Bedarf noch einmal an.
Wie lang sollte ein Geburtsplan sein?
Wenn du deinen Geburtsplan schreiben willst, plane höchstens eine Seite ein. Kurze Stichpunkte lassen sich im Kreißsaal schnell erfassen. Konzentriere dich auf die Wünsche, die dir wirklich wichtig sind.
Ist ein Geburtsplan verbindlich?
Nein, ein Geburtsplan ist rechtlich nicht bindend. Er dient als Gesprächsgrundlage für Hebamme und Ärzteteam. Unabhängig davon musst du vor jeder medizinischen Maßnahme aufgeklärt werden und einwilligen.
Was gehört in einen Geburtsplan?
Typische Inhalte sind Begleitperson, Atmosphäre, Bewegungsfreiheit, Wünsche zur Schmerzlinderung und zu medizinischen Eingriffen. Dazu kommen Vorstellungen zu Bonding, Abnabeln und Stillen. Sinnvoll ist auch ein kurzer Abschnitt für einen möglichen Kaiserschnitt.
Wie bespreche ich meinen Geburtsplan mit der Klinik?
Nimm den Plan zum Anmelde- oder Planungsgespräch mit und frag, welche Wünsche vor Ort umsetzbar sind. Viele Kliniken bieten dieses Gespräch ab etwa Schwangerschaftswoche 34 an. Eine Kopie legst du anschließend in den Mutterpass und in die Kliniktasche.
Kann ich meinen Geburtsplan unter der Geburt ändern?
Ja, jederzeit. Dein Plan beschreibt Wünsche, keine Verpflichtungen. Wenn du dich unter der Geburt anders entscheidest, etwa für eine PDA, sagst du es einfach der Hebamme. Auch deine Begleitperson kann Änderungen für dich weitergeben.