Die U-Untersuchungen begleiten dein Kind von der ersten Lebensminute bis ins Schulalter. Zehn Termine von der U1 bis zur U9 – ergänzt um die Jugenduntersuchung J1 – geben dir regelmäßig Rückmeldung, ob sich dein Kind gesund entwickelt. Dieser Ratgeber zeigt dir alle Zeiträume, die Inhalte jeder Untersuchung und die Rolle von gelbem Heft und Impfungen, Stand Oktober 2026.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten vollständig. Du brauchst keine Überweisung, nur die Versichertenkarte deines Kindes und das gelbe Kinderuntersuchungsheft. Die Termine vereinbarst du am besten frühzeitig, denn viele Kinderarztpraxen sind auf Wochen ausgebucht.
U-Untersuchungen: Was steckt dahinter?
U-Untersuchungen sind Früherkennungsuntersuchungen für Kinder, die in Deutschland von der Geburt bis zum sechsten Lebensjahr in festen Zeiträumen stattfinden. Kinderärztinnen und Kinderärzte prüfen dabei Wachstum, Organe, Sinne und Entwicklung. Ziel ist es, Erkrankungen und Entwicklungsverzögerungen so früh zu erkennen, dass eine Behandlung möglichst gut wirkt.
Die rechtliche Grundlage bildet die Kinder-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. Sie legt fest, was in welchem Alter untersucht wird – nachlesen kannst du sie direkt beim Gemeinsamen Bundesausschuss zur Kinder-Richtlinie. Die Vorsorge knüpft damit nahtlos an die Schwangerschaftsvorsorge an, die vor der Geburt die Gesundheit von Mutter und Kind im Blick hat.
Mehr als ein Gesundheitscheck
Zu jeder Untersuchung gehört ein ausführliches Gespräch. Die Ärztin fragt nach Schlaf, Ernährung, Verhalten und deinem Befinden als Elternteil. Sie berät zu Unfallverhütung, Zahngesundheit, Impfungen und Mediennutzung und kann bei Bedarf auf regionale Unterstützungsangebote wie die Frühen Hilfen hinweisen.
Die U-Untersuchungen im Überblick: Zeiträume und Schwerpunkte
Die folgende Tabelle zeigt dir alle Termine laut Kinder-Richtlinie. Die angegebenen Zeiträume sind die regulären Untersuchungsfenster.
| Untersuchung | Zeitraum | Wichtige Schwerpunkte |
|---|---|---|
| U1 | direkt nach der Geburt | Apgar-Test, Atmung, Herzschlag, Gewicht, Länge, Fehlbildungen, Vitamin K |
| U2 | 3. bis 10. Lebenstag | Organe, Reflexe, Haut, Neugeborenen-Screening, Pulsoxymetrie, Vitamin K |
| U3 | 4. bis 5. Lebenswoche | Gewichtszunahme, Hüftultraschall, Trinkverhalten, Vitamin K |
| U4 | 3. bis 4. Lebensmonat | Motorik, Sehen, Hören, Impfberatung |
| U5 | 6. bis 7. Lebensmonat | Greifen, Drehen, Beikost, Zahnarztverweis |
| U6 | 10. bis 12. Lebensmonat | Sitzen, Krabbeln, Sprache, Sehtest |
| U7 | 21. bis 24. Lebensmonat | Laufen, erste Sätze, Verhalten |
| U7a | 34. bis 36. Lebensmonat | Sehen, Sprache, Sozialverhalten, Gewicht |
| U8 | 46. bis 48. Lebensmonat | Motorik, Hören, Sehen, Sprache, Selbstständigkeit |
| U9 | 60. bis 64. Lebensmonat | Schulfähigkeit, Feinmotorik, Konzentration |
| J1 | 12 bis 14 Jahre | Pubertät, Haltung, Impfstatus, psychische Gesundheit |
Für die meisten Termine gibt es zusätzlich eine Toleranzzeit von einigen Wochen. Liegt ein Termin außerhalb dieses Fensters, muss die Krankenkasse die Untersuchung in der Regel nicht mehr übernehmen. Plane deshalb lieber zu Beginn des Zeitraums.

Die ersten Lebenstage: U1 und U2
U1 direkt nach der Geburt
Die U1 findet im Kreißsaal oder zu Hause durch Hebamme oder Ärztin statt. Mit dem Apgar-Test werden eine, fünf und zehn Minuten nach der Geburt Atmung, Puls, Muskelspannung, Reflexe und Hautfarbe bewertet. Außerdem erhält dein Baby die erste Gabe Vitamin K zum Schutz vor Blutungen.
U2 zwischen dem dritten und zehnten Lebenstag
Bei der U2 untersucht die Ärztin dein Baby gründlich von Kopf bis Fuß. Sie prüft Herz, Lunge, Bauchorgane, Geschlechtsorgane, Haut und Reflexe und achtet auf Gelbsucht. Hier bekommt dein Kind die zweite Dosis Vitamin K, und du erhältst eine Beratung zu Vitamin D und Fluorid.
Screenings in den ersten Tagen
Rund um die U2 laufen mehrere wichtige Tests, für die du als Elternteil einwilligst:
- Erweitertes Neugeborenen-Screening: Ein paar Tropfen Blut aus der Ferse, idealerweise zwischen der 36. und 72. Lebensstunde, zeigen seltene angeborene Stoffwechsel-, Hormon-, Blut- und Immunerkrankungen.
- Screening auf Mukoviszidose und spinale Muskelatrophie: Beide Erkrankungen werden aus derselben Blutprobe untersucht.
- Pulsoxymetrie-Screening: Ein Sensor an Hand oder Fuß misst den Sauerstoffgehalt im Blut und hilft, kritische Herzfehler zu erkennen.
- Neugeborenen-Hörscreening: Ein schmerzloser Test prüft, ob dein Baby gut hört.
Brauchst du nach der Geburt Unterstützung im Alltag, ist deine Hebamme in der Zeit des Wochenbetts eine wichtige Ansprechpartnerin. Sie kontrolliert unter anderem Gewicht, Nabel und Trinkverhalten zwischen den ärztlichen Terminen.
Das erste Lebensjahr: U3 bis U6
Im ersten Jahr liegen die U-Untersuchungen besonders dicht beieinander. Kein Wunder, denn kein anderer Lebensabschnitt bringt so viele Veränderungen mit sich. Welche Entwicklungsschritte typisch sind, beschreibt unser Ratgeber zu den Meilensteinen im ersten Lebensjahr.
U3: Vierte bis fünfte Lebenswoche
Die Ärztin prüft, ob dein Baby gut trinkt und zunimmt. Ein fester Bestandteil ist die Hüftsonografie, mit der Fehlstellungen der Hüfte früh erkannt werden. Dein Kind erhält die dritte Gabe Vitamin K.
U4: Dritter bis vierter Lebensmonat
Jetzt stehen Beweglichkeit, Kopfkontrolle, Sehen und Hören im Mittelpunkt. Die Ärztin beobachtet, ob dein Baby Blickkontakt aufnimmt und lächelt. Zudem bespricht sie mit dir den Impfplan, denn die ersten Impfungen sind meist schon mit zwei Monaten fällig.
U5: Sechster bis siebter Lebensmonat
Dein Kind greift, dreht sich und zeigt erste Laute. Die Ärztin berät dich zur Beikost und zur Zahnpflege. Ab der U5 kann sie im gelben Heft einen Verweis zur zahnärztlichen Früherkennung ankreuzen, die ab dem ersten Milchzahn sinnvoll ist – mehr dazu im Artikel zum Zahnen beim Baby.
U6: Zehnter bis zwölfter Lebensmonat
Um den ersten Geburtstag herum geht es um Sitzen, Krabbeln, Hochziehen und erste Silben. Ein Sehtest prüft unter anderem, ob dein Kind schielt. Auch Unfallgefahren im Haushalt sind jetzt ein wichtiges Thema.

Kleinkind- und Vorschulalter: U7 bis U9
Nach dem ersten Jahr werden die Abstände länger. Die U-Untersuchungen konzentrieren sich jetzt stärker auf Sprache, Verhalten und die Vorbereitung auf Kita und Schule.
U7 und U7a
Bei der U7 mit knapp zwei Jahren läuft dein Kind sicher und spricht erste Zwei-Wort-Sätze. Die U7a mit rund drei Jahren wurde eingeführt, um Sehstörungen wie eine Schwachsichtigkeit rechtzeitig zu erkennen. Außerdem achtet die Ärztin auf Sprachentwicklung, Gewicht und das Verhalten in der Gruppe.
U8 und U9
Die U8 mit knapp vier Jahren prüft Grob- und Feinmotorik, Hören, Sehen und Aussprache. Die U9 mit etwa fünf Jahren gilt als Schuleingangs-Check aus ärztlicher Sicht. Werden Auffälligkeiten entdeckt, bleibt so noch Zeit für Förderung, etwa durch Logopädie oder Ergotherapie.
Viele Kitas fragen bei der Aufnahme nach dem Untersuchungsheft oder der Teilnahmekarte. Was bei der Kita-Eingewöhnung sonst auf euch zukommt, liest du in unserem Ratgeber.
Nach der U9: J1 und die neue U10
Zwischen der U9 und der Jugenduntersuchung J1 mit 12 bis 14 Jahren klafft bislang eine Lücke. Einige Krankenkassen bieten deshalb freiwillige Zusatzuntersuchungen wie U10, U11 oder J2 als Satzungsleistung an.
Das ändert sich: Der Gemeinsame Bundesausschuss hat im August 2026 eine neue U10 für Kinder im Alter von neun und zehn Jahren als reguläre Kassenleistung beschlossen. Schwerpunkte sind Gewicht, Allergien, psychische Belastungen, Mediennutzung, Bewegung und der Impfstatus. Bevor die U10 angeboten werden kann, müssen das Bundesgesundheitsministerium den Beschluss prüfen und die ärztliche Vergütung festgelegt werden.
Zugleich wandert die Dokumentation der J1 künftig ins gelbe Heft. Frag in deiner Praxis nach, ab wann die neue Untersuchung tatsächlich verfügbar ist.
Gelbes Heft, Impfungen und Fristen
Das gelbe Kinderuntersuchungsheft
Das gelbe Heft erhältst du nach der Geburt. Darin dokumentiert die Praxis die Ergebnisse aller U-Untersuchungen, inklusive Gewicht, Länge und Kopfumfang. Die herausnehmbare Teilnahmekarte belegt, dass ein Termin stattgefunden hat, ohne Befunde preiszugeben.
Bewahre das Heft gut auf und bring es zu jedem Termin mit. Viele Bundesländer erinnern Familien schriftlich an anstehende Untersuchungen oder fragen nach, wenn eine Teilnahme fehlt.
Impfungen im ersten und zweiten Lebensjahr
Impfungen sind kein offizieller Teil der U-Untersuchungen, werden aber oft beim selben Termin gegeben. Der Impfkalender der Ständigen Impfkommission für 2026 sieht für Säuglinge und Kleinkinder unter anderem vor:
- RSV-Prophylaxe: eine Antikörpergabe vor oder in der ersten RSV-Saison, je nach Geburtsmonat
- Rotaviren: Schluckimpfung ab sechs Wochen, je nach Impfstoff zwei oder drei Dosen
- Sechsfachimpfung gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Hib, Kinderlähmung und Hepatitis B mit zwei, vier und elf Monaten
- Pneumokokken mit zwei, vier und elf Monaten
- Meningokokken B mit zwei, vier und zwölf Monaten
- Masern, Mumps, Röteln und Windpocken mit elf und 15 Monaten
Neu im Kalender 2026: Die bisherige Meningokokken-C-Impfung mit zwölf Monaten entfällt, stattdessen empfiehlt die Kommission eine Impfung gegen Meningokokken ACWY im Alter von 12 bis 14 Jahren. Den vollständigen Plan findest du im Impfkalender des Robert Koch-Instituts. Für die Aufnahme in die Kita ist ein Nachweis über den Masernschutz gesetzlich vorgeschrieben.

So bereitest du dich auf die U-Untersuchungen vor
Mit etwas Vorbereitung holst du mehr aus jedem Termin heraus. Diese Schritte haben sich bewährt:
- Termin früh buchen: Vereinbare die nächste Untersuchung am besten direkt beim Verlassen der Praxis.
- Unterlagen einpacken: Gelbes Heft, Impfpass und Versichertenkarte gehören in die Tasche.
- Fragen notieren: Schreib dir in den Wochen davor auf, was dir auffällt oder Sorgen macht.
- Elternfragebogen nutzen: Im Heft findest du vor jeder Untersuchung Fragen, die du vorab ausfüllen kannst.
- Bequeme Kleidung wählen: Dein Kind wird ausgezogen, ein Wechselbody und eine Windel sind praktisch.
- Ruhige Tageszeit wählen: Ein ausgeschlafenes, satt gefüttertes Kind macht besser mit.
Erkrankt dein Kind zwischen zwei Terminen, wartest du natürlich nicht auf die nächste Vorsorge. Wann du bei hoher Temperatur handeln solltest, erklärt unser Beitrag zum Fieber beim Baby. Weitere Hintergründe zu allen Terminen bieten die Fachleute von Kinderärzte im Netz zur Vorsorge.
Wenn ein Befund auffällig ist
Ein auffälliges Ergebnis bedeutet nicht automatisch eine Erkrankung. Oft folgt zunächst eine Kontrolle oder eine Untersuchung bei Spezialisten. Frag nach, was der Befund bedeutet und welche nächsten Schritte sinnvoll sind.
Fazit: U-Untersuchungen geben Sicherheit
Die U-Untersuchungen sind ein bewährtes Sicherheitsnetz für die Gesundheit deines Kindes. Sie kosten dich nichts außer etwas Zeit und geben dir regelmäßig eine fundierte Einschätzung.
Halte die Zeiträume im Blick, nimm das gelbe Heft zu jedem Termin mit und nutze die Gespräche für deine Fragen. So werden die U-Untersuchungen zu verlässlichen Wegmarken auf dem Weg deines Kindes – von der ersten Minute bis ins Schulalter.
Häufige Fragen zu den U-Untersuchungen
Wie viele U-Untersuchungen gibt es?
Regulär gibt es zehn U-Untersuchungen von der U1 bis zur U9, darunter die U7a mit rund drei Jahren, sowie die Jugenduntersuchung J1 mit 12 bis 14 Jahren. Im August 2026 hat der Gemeinsame Bundesausschuss zusätzlich eine U10 für Neun- bis Zehnjährige beschlossen. Sie wird angeboten, sobald Prüfung und Vergütungsregelung abgeschlossen sind.
Sind die U-Untersuchungen Pflicht?
Bundesweit gibt es keine allgemeine Pflicht, die Teilnahme wird aber dringend empfohlen. Viele Bundesländer erinnern Eltern an die Termine oder melden fehlende Untersuchungen an das Gesundheitsamt. Manche Kitas verlangen bei der Aufnahme einen Nachweis.
Was kosten die U-Untersuchungen?
Für gesetzlich versicherte Kinder übernimmt die Krankenkasse die Kosten vollständig, sofern der Termin im vorgesehenen Zeitraum oder der Toleranzzeit liegt. Private Krankenversicherungen erstatten die Untersuchungen in der Regel ebenfalls. Frag im Zweifel vorab bei deiner Versicherung nach.
Was passiert, wenn ich einen Termin verpasse?
Melde dich so schnell wie möglich in der Praxis, denn innerhalb der Toleranzzeit kann die Untersuchung meist noch regulär stattfinden. Ist auch diese überschritten, muss die Kasse nicht mehr zahlen. Die Ärztin kann dein Kind aber selbstverständlich trotzdem untersuchen und beraten.
Wann werden Babys zum ersten Mal geimpft?
Die Rotavirus-Schluckimpfung ist ab sechs Wochen möglich, die Sechsfach-, Pneumokokken- und Meningokokken-B-Impfungen beginnen mit zwei Monaten. Die RSV-Prophylaxe erhalten Babys je nach Geburtsmonat direkt nach der Geburt oder im Herbst vor ihrer ersten RSV-Saison.