Zahnen beim Baby ist ein Entwicklungsschritt, den fast jede Familie mit gemischten Gefühlen erlebt: Freude über das erste weiße Spitzchen, aber auch unruhige Nächte und ein überall sabberndes Kind. Dieser Ratgeber erklärt dir, in welcher Reihenfolge die Milchzähne kommen, welche Symptome typisch sind und was wirklich hilft. Außerdem erfährst du, wie du die neuen Zähne von Anfang an richtig pflegst.
Die gute Nachricht: Die meisten Babys kommen mit etwas Nähe, Kühlung und Geduld gut durch diese Phase. Wichtig ist nur, harmlose Zahnungsbeschwerden von Anzeichen einer Erkrankung zu unterscheiden.
Zahnen beim Baby: Wann geht es los?
Zahnen beim Baby beginnt meist zwischen dem sechsten und zehnten Lebensmonat, wenn die unteren mittleren Schneidezähne durch das Zahnfleisch brechen. Die Spannbreite ist groß: Manche Kinder bekommen den ersten Zahn schon mit vier Monaten, andere erst nach dem ersten Geburtstag. Bis etwa zum dritten Geburtstag sind alle 20 Milchzähne da.
Die Zahnanlagen entstehen bereits in der Schwangerschaft. Wann sie durchbrechen, ist vor allem erblich bestimmt. Ein später erster Zahn sagt nichts über die Gesundheit oder die Entwicklung deines Kindes aus.
Wenn Zähne ungewöhnlich früh oder spät kommen
Selten werden Babys schon mit einem Zahn geboren. Solche Zähne sollte sich die Kinderärztin ansehen, weil sie manchmal locker sitzen oder beim Stillen stören. Ist mit etwa 18 Monaten noch kein einziger Zahn zu sehen, lohnt sich ebenfalls eine Abklärung.
Wie lange dauert das Zahnen beim Baby?
Ein einzelner Zahn braucht oft nur wenige Tage, bis er das Zahnfleisch durchstoßen hat. Die gesamte Phase erstreckt sich dagegen über rund zwei bis zweieinhalb Jahre. Zahnen beim Baby verläuft dabei in Schüben: Auf anstrengende Wochen folgen oft lange, ruhige Pausen.
Manchmal kommen mehrere Zähne kurz hintereinander, gerade bei den Schneidezähnen. Notiere dir ruhig, wann welcher Zahn erscheint. So erkennst du Muster und kannst dich auf die nächste Runde einstellen.
In welcher Reihenfolge kommen die Milchzähne?
Die Zahnungsreihenfolge folgt bei den meisten Kindern einem ähnlichen Muster, das Tempo variiert jedoch stark. Die Tabelle zeigt typische Zeitfenster.
| Zähne | Typisches Alter | Anzahl |
|---|---|---|
| Untere mittlere Schneidezähne | 6 bis 10 Monate | 2 |
| Obere mittlere Schneidezähne | 8 bis 12 Monate | 2 |
| Obere seitliche Schneidezähne | 9 bis 13 Monate | 2 |
| Untere seitliche Schneidezähne | 10 bis 16 Monate | 2 |
| Erste Backenzähne | 13 bis 19 Monate | 4 |
| Eckzähne | 16 bis 23 Monate | 4 |
| Zweite Backenzähne | 23 bis 33 Monate | 4 |
Die Backenzähne sind breiter und brechen oft langsamer durch. Viele Eltern berichten deshalb, dass das Zahnen beim Baby gerade in dieser Phase besonders anstrengend wird. Die Eckzähne kommen häufig erst nach den ersten Backenzähnen, auch wenn sie weiter vorn sitzen.

Typische Symptome beim Zahnen
Die Beschwerden beginnen oft einige Tage vor dem eigentlichen Durchbruch und lassen danach rasch nach. Nicht jedes Kind zeigt Symptome – manche Zähne erscheinen ganz unbemerkt. Häufige Anzeichen sind:
- verstärkter Speichelfluss, manchmal mit wunder Haut an Kinn und Wangen
- gerötetes, geschwollenes oder vorgewölbtes Zahnfleisch
- ständiges Kauen auf Fingern, Spielzeug oder der Brustwarze
- Unruhe, Weinerlichkeit und häufigeres nächtliches Aufwachen
- gerötete Wangen oder Reiben an den Ohren
- vorübergehend weniger Appetit
- eine leicht erhöhte Körpertemperatur unter 38 Grad
Wie stark das Zahnen beim Baby ausfällt, ist sehr individuell. Manche Kinder sind tagelang quengelig, andere bemerken den neuen Zahn kaum. Geschwister können dabei völlig unterschiedlich reagieren.
Gerade die Nächte können in dieser Zeit unruhig sein. Wie du deinem Kind hilfst, wieder in den Schlaf zu finden, liest du in unserem Ratgeber zum Babyschlaf.
Was das Zahnen nicht verursacht
Echtes Fieber, Durchfall, Erbrechen, Husten oder ein ausgeprägter Hautausschlag gehören nicht zum Zahnen. Treten solche Beschwerden auf, steckt meist ein Infekt dahinter, der zufällig in die Zahnungsphase fällt. Babys stecken in diesem Alter alles in den Mund und kommen so mit vielen Erregern in Kontakt.
Misst du mehr als 38,5 Grad oder wirkt dein Kind deutlich krank, schiebe es deshalb nicht auf die Zähne. Wann du mit hoher Temperatur in die Praxis solltest, erklärt dir unser Beitrag zum Fieber beim Baby.
Zahnen beim Baby: 8 Tipps, die wirklich helfen
Gegen Zahnungsbeschwerden gibt es kein Wundermittel, aber einige bewährte Hilfen. Probiere aus, was deinem Kind guttut:
- Kühlen: Ein im Kühlschrank gekühlter Beißring lindert den Druck. Leg ihn nicht ins Gefrierfach, sonst kann er das Zahnfleisch verletzen.
- Massieren: Reibe das Zahnfleisch sanft mit einem sauberen Finger oder einem feuchten, kühlen Waschlappen.
- Kauen lassen: Gut greifbare Beißspielzeuge ohne Kleinteile geben deinem Kind etwas zum Draufbeißen.
- Kühle Mahlzeiten: Isst dein Kind schon Brei, kann ein kühles Obstmus angenehm sein.
- Haut schützen: Tupfe den Speichel regelmäßig ab und pflege Kinn und Wangen mit einer milden, fetthaltigen Creme.
- Nähe geben: Tragen, Kuscheln und Stillen beruhigen und lenken ab.
- Rhythmus halten: Vertraute Abläufe und Rituale geben deinem Kind Halt, auch wenn die Nächte kurz sind.
- Schmerzmittel nur nach Absprache: Bei starken Beschwerden kann deine Kinderärztin ein kindgerechtes Mittel in passender Dosierung empfehlen.
Wovon Fachleute abraten
Bernstein- und Veilchenwurzelketten bergen ein Risiko für Strangulation und Ersticken, ihre Wirkung ist nicht belegt. Zahngels mit betäubenden Wirkstoffen wirken nur kurz und werden schnell verschluckt, sie sollten nur nach ärztlichem Rat zum Einsatz kommen. Für Globuli und andere homöopathische Mittel gibt es keinen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis.
Gib deinem Kind außerdem keine harten Rohkoststangen oder Brotrinden zum Kauen, solange es nicht sicher kauen kann. Wie Babys sicher feste Nahrung kennenlernen, erfährst du in unserem Ratgeber zum Einführen der Beikost.
Zahnen beim Baby und Stillen
Viele stillende Mütter fürchten, dass ihr Kind mit den ersten Zähnen beißt. Tatsächlich kann das Zahnen beim Baby kurzzeitig zu Bissen an der Brust führen, weil das Kauen den Druck lindert. Beim richtigen Saugen liegt die Zunge jedoch über der unteren Zahnreihe, sodass Beißen und Trinken nicht gleichzeitig möglich sind.
Beißt dein Kind zu, löse den Saugschluss sanft mit dem kleinen Finger im Mundwinkel und unterbrich die Mahlzeit kurz. Biete ihm vor dem Stillen einen gekühlten Beißring an. Bei anhaltenden Problemen unterstützen dich Hebamme oder Stillberatung.

Zahnpflege ab dem ersten Zahn
Sobald der erste Zahn sichtbar ist, beginnt die Zahnpflege. Milchzähne haben einen dünneren Zahnschmelz als bleibende Zähne und sind deshalb besonders anfällig für Karies. Sie halten zudem den Platz für die bleibenden Zähne frei und sind wichtig für Kauen und Sprechen.
Mundpflege vor dem ersten Zahn
Schon bevor das Zahnen beim Baby sichtbar beginnt, kannst du das Zahnfleisch ab und zu mit einem feuchten, sauberen Tuch abwischen. So gewöhnt sich dein Kind an Berührungen im Mund. Das erleichtert später das Zähneputzen.
So putzt du die ersten Zähne
- Nimm eine weiche Kinderzahnbürste mit kleinem Kopf.
- Gib eine reiskorngroße Menge fluoridhaltiger Kinderzahnpasta darauf.
- Putze zweimal täglich, morgens und abends, mit kleinen kreisenden Bewegungen.
- Lass dein Kind den Schaum nur ausspucken, sobald es das kann; ausgespült werden muss nicht.
- Putze bis ins Grundschulalter nach, denn erst dann gelingt die Technik selbstständig.
Am besten liegt dein Kind beim Putzen mit dem Kopf auf deinem Schoß. So hast du freie Sicht auf alle Zähne. Ein kurzes Lied macht das Ritual leichter.
Nuckelflasche und Zucker
Dauerhaftes Nuckeln an süßen Getränken, auch an Saft oder gezuckertem Tee, führt zur gefürchteten Nuckelflaschenkaries. Biete deinem Kind zum Durstlöschen Wasser an, ab dem ersten Geburtstag am besten aus einem offenen Becher. Die Flasche sollte nicht zum Einschlafbegleiter werden.
Fluorid: Was gilt aktuell?
Fluorid härtet den Zahnschmelz und schützt vor Karies. Seit 2021 gelten in Deutschland erstmals einheitliche Empfehlungen von Kinderärzten, Zahnärzten und dem Netzwerk Gesund ins Leben. Danach sieht die Fluoridvorsorge so aus:
- Bis zum ersten Zahn: Viele Babys bekommen Fluorid als Tablette, meist kombiniert mit Vitamin D.
- Ab dem ersten Zahn bis zum zweiten Geburtstag: zweimal täglich eine reiskorngroße Menge Kinderzahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid.
- Vom zweiten bis zum sechsten Geburtstag: zweimal täglich eine erbsengroße Menge Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid.
Mit dem Wechsel zur fluoridhaltigen Zahnpasta entfallen die Fluoridtabletten in der Regel, Vitamin D gibt es dann allein weiter. Sprich die Umstellung mit deiner Kinderarztpraxis ab, damit dein Kind weder zu wenig noch zu viel Fluorid bekommt. Im Haushalt kannst du zusätzlich fluoridiertes Speisesalz verwenden, Babybrei im ersten Jahr wird aber grundsätzlich nicht gesalzen.
Die Empfehlungen in kompakter Form findest du beim Netzwerk Gesund ins Leben und in der Infografik von kindergesundheit-info.de zur Zahngesundheit.

Der erste Besuch in der Zahnarztpraxis
Früherkennung beim Zahnarzt ist für gesetzlich versicherte Kinder ab dem sechsten Lebensmonat Kassenleistung. Bis zum dritten Geburtstag sind drei zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen vorgesehen, zusätzlich kann der Zahnschmelz mit Fluoridlack geschützt werden. Bei den U-Untersuchungen ab der U5 verweist die Kinderärztin im gelben Heft auf diese Termine.
Den ersten Termin legst du am besten in die Zeit, in der das Zahnen beim Baby beginnt und der erste Zahn sichtbar wird. Die Zahnärztin schaut dann vor allem, ob die Zähne gesund durchbrechen. Sie zeigt dir die richtige Putztechnik und berät zu Ernährung und Fluorid. So lernt dein Kind die Praxis ganz entspannt kennen, lange bevor es eine Behandlung braucht.
Wann du ärztlichen Rat einholen solltest
- Dein Kind hat Fieber über 38,5 Grad, Durchfall oder Erbrechen.
- Es verweigert über längere Zeit das Trinken.
- Das Zahnfleisch ist stark geschwollen, eitrig oder blutet.
- Auf den Zähnen zeigen sich weiße, bräunliche oder dunkle Flecken.
- Mit etwa 18 Monaten ist noch kein Zahn durchgebrochen.
Fazit: Zahnen beim Baby gelassen begleiten
Zahnen beim Baby ist anstrengend, aber ein ganz normaler Teil der Entwicklung. Kühlung, sanfte Massage und viel Nähe helfen deinem Kind meist zuverlässig durch die schwierigen Tage.
Mindestens genauso wichtig ist die Pflege: Mit dem ersten Zahn beginnt das tägliche Putzen mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta. So legst du schon beim Zahnen beim Baby den Grundstein für ein gesundes Gebiss – und für ein Kind, das Zähneputzen als selbstverständliches Ritual erlebt.
Häufige Fragen zum Zahnen beim Baby
Wann beginnt das Zahnen beim Baby?
Bei den meisten Babys bricht der erste Zahn zwischen dem sechsten und zehnten Lebensmonat durch, meist ein unterer mittlerer Schneidezahn. Manche Kinder zahnen schon mit vier Monaten, andere erst nach dem ersten Geburtstag. Beides ist normal.
Wie lange dauert das Zahnen beim Baby?
Die Beschwerden bei einem einzelnen Zahn halten meist nur wenige Tage an und klingen nach dem Durchbruch ab. Die gesamte Zahnungsphase erstreckt sich jedoch über gut zwei Jahre, bis mit etwa drei Jahren alle 20 Milchzähne da sind.
Bekommen Babys beim Zahnen Fieber?
Eine leicht erhöhte Temperatur ist möglich, echtes Fieber über 38,5 Grad verursacht das Zahnen jedoch nicht. Hat dein Kind hohes Fieber, Durchfall oder wirkt es krank, steckt meist ein Infekt dahinter. Lass es dann ärztlich untersuchen.
Was hilft am besten gegen Zahnungsschmerzen?
Bewährt sind ein im Kühlschrank gekühlter Beißring, eine sanfte Zahnfleischmassage mit dem sauberen Finger und viel Körpernähe. Bei starken Schmerzen kann deine Kinderärztin ein geeignetes Schmerzmittel in kindgerechter Dosierung empfehlen. Bernsteinketten solltest du wegen der Strangulations- und Erstickungsgefahr nicht verwenden.
Ab wann braucht mein Baby Zahnpasta mit Fluorid?
Ab dem ersten Zahn putzt du zweimal täglich mit einer reiskorngroßen Menge Kinderzahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid. Ab dem zweiten Geburtstag steigerst du auf eine erbsengroße Menge. Bekommt dein Kind Fluoridtabletten, besprich die Umstellung mit der Kinderarztpraxis.